Interview mit Hera Lind zu Ihrem Roman „Wenn nur dein Lächeln bleibt“
1. Angela Hädicke bringt eine behinderte Tochter zur Welt und liebt sie von der ersten Sekunde an. Warum haben Sie gerade dieses besondere Familienschicksal ausgewählt?
Hera Lind: Als Mutter von vier gesunden Kindern bin ich demütig und dankbar, nachdem ich die Geschichte von Frau Hädicke erfahren habe. Jede Mutter sollte dieses Buch lesen, das wirkt Wunder gegen jede noch so winzige Verstimmung in der Familie, und jeder Konflikt scheint lächerlich und ist vor allem lösbar! Ich ziehe meinen Hut vor allen Müttern von behinderten Kindern – ihre Kraft und Ausdauer hätte ich nicht. Man flippt ja schon aus, wenn ein nasses Handtuch am Boden liegt, oder Schokolade auf dem weißen Sofa klebt.
2. Frau Hädicke und ihr Mann leben bis zum Mauerfall in der ehemaligen DDR, wo sie nicht viel Unterstützung bekommen. Die Diskriminierung von Behinderten ist doch aber sicher überall zu finden, oder?
Hera Lind: Ich denke die Brisanz dieser Geschichte wird sicher dadurch immens verstärkt, dass Angela und Bernd Hädicke in der damaligen DDR lebten und als Nicht-Parteimitglieder definitiv schon benachteiligt wurden, als die kleine Anja zur Welt kam. Die Schikanen und Demütigungen des damaligen politischen Systems sind für uns heute kaum mehr vorstellbar. Ein Ersatzteil für einen Rollstuhl: schier unmöglich! Dennoch, selbst im toleranten, aufgeklärten und sozialen Deutschland von heute werden Behinderte und ihre Angehörigen nach wie vor benachteiligt. Nach der Lektüre dieses Buches werden wir einem behinderten Kind viel liebevoller und seinen Eltern viel respektvoller begegnen – hoffentlich!
3. Warum glauben Sie, fällt es uns oft so schwer glücklich zu sein?
Hera Lind: Wie heißt es so schön: „Nichts ist schlimmer zu ertragen, als eine Reihe von schönen Tagen.“ Die Tatsachenromane zeigen uns, wie gut es uns doch eigentlich geht. Und wie stark, hoffnungsvoll und positiv wir doch oft schon in weniger schwierigen Situationen sein könnten. Unsere Heldinnen und Helden des Alltags machen es uns vor.


